Trinkbräuche


Trinkbräuche
Trinkbräuche,
 
Trinksitten, aus kultischen Anlässen und dem Gebot der Gastfreundschaft entstandene Brauchformen. Sowohl in der antiken Welt als auch bei den Germanen war das Trankopfer bekannt. Die Germanen weihten das erste Horn den Göttern oder dem Andenken Verstorbener (Minnetrinken). Vom mittelalterlichen Deutschland aus hat sich die Sitte, einen Gast mit einem Humpen Bier (oder Wein) zu ehren, als »Willkomm-Trinken« nach Frankreich, Italien und Spanien ausgebreitet. Zünfte und Gilden beachteten während des »Umtrunks« bestimmte Regeln. Einen »Abendtrunk« durften Zunftmeister und Gesellen beim Eintritt eines Lehrjungen, bei seinem Abdingen nach beendeter Lehrzeit und bei der Ablieferung seines späteren Meisterstücks grundsätzlich erwarten. - Das bereits seit fränkischer Zeit bekannte »Zu- und Bescheidtrinken« begünstigte die Maßlosigkeit. Dem Drängen des zutrinkenden Gastgebers nicht nachzukommen, wurde als grobe Beleidigung empfunden. Um den Gast zum Austrinken zu nötigen, legte man in den Becher ein Stück geröstetes Brot (mittellateinisch tostea, französisch to(u)stée, englisch toast), das er zu verzehren hatte. Trotz vieler Verordnungen im 15./16. Jahrhundert starb die Unsitte des Zutrinkens nicht aus.
 
Alltägliche Rechtsgeschäfte wie Kauf, Verlöbnis, Heirat, Gesindemiete und Soldatenwerbung fanden ihren Vertragsabschluss durch den Trunk (»Weinkauf«).

Universal-Lexikon. 2012.

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  • Zutrinken — Das Zutrinken stellte eine rituelle Art des Alkoholkonsums dar, wobei der Zutrinkende durch das Zutrinken einer (verstorben oder lebenden) Person oder einer Personengruppe durch die Widmung des Trunks eine Ehre angedeihen lassen will. Mit… …   Deutsch Wikipedia